Livestream-Review: BEHEMOTH

Bilder: Grzegorz Gołębiowski

Klappern gehört zum Handwerk und BEHEMOTH-Boss Nergal ist bekanntlich ein Meister seines Fachs. Wenn er in Pandemie-Zeiten also eine Streaming-Show mit seiner Band spielt, dann stellt er sich nicht einfach schnöde in ein Studio, sondern – Blasphemie muss sein – spielt die Show unter dem Motto “In Absentia Dei” in einer Kirche. Die muss man allerdings auch im Dorf lassen, denn natürlich findet die Show nicht in einer „echten“ Kirche statt, sondern in der Ruine der evangelischen Kirche im oberschlesischen Schreibersdorf, auf polnisch Pisarzowice. Angekündigt wird das Ganze zudem als „frei ab 18“, was angesichts von ein bisschen Feuer, Blut und einer barbusigen Performancekünstlerin jedoch als übertrieben erscheint. Als Preis fürs Zuschauen wird übrigens 18$ aufgerufen, ein Preis also, für den man in normalen Zeiten auch eine gute Clubshow erleben kann. BEHEMOTH lassen sich jedoch nicht lumpen und fahren dafür eine sehens- und hörenswerte Show auf. In vier Akte unterteilt und gelegentlich mit Videosequenzen unterlegt, gibt es in den knapp zwei Stunden einen Querschnitt durch das gesamte Schaffen mit 19 Songs aus allen Perioden der Band. ‘From The Pagan Vastlands’ wird das erste Mal seit über zehn Jahren gespielt und ‘Prometherion” gab es live zuletzt 2011. Eröffnet wird das Ganze mit der Nummer ‘Evoe’ von der “A Forest”-EP, die damit ihre Livepremiere erfährt. An der Best-Of-Setlist gibt es also schon mal nichts auszusetzen, genausowenig, wie an der Performance der Band. Dass außer den Technikern kein Publikum vor Ort ist, sieht man der Bühnenaction nicht an, Nergal, Inferno, Orion und Live-Gitarrist Seth geben sich alle Mühe, das Ganze wie einen „echten“ Auftritt aussehen zu lassen, inklusive viel Bewegung und aller relevanten Posen. Auch Ansagen von Nergal an das Publikum vor den Bildschirmen fehlen nicht. Das Halbrund des ehemaligen Altarraums, in dem die Band spielt, ist dabei imposant ausgeleuchtet und auch die Kameraführung inklusive Außenansichten auf das beleuchte Gemäuer weiß durchaus zu gefallen. Erwartungsgemäß liefert die Band auch soundtechnisch Perfektion ab, so dass es in Summe verdammt schwer fällt, irgendwelche Kritikpunkte auszumachen. Die Band gibt sich reichlich Mühe, den Fans für den „Eintrittspreis“ einen angemessenen Gegenwert zu kredenzen und unterstreicht ihren Status als einer der unterhaltsamsten Bands im Extrem-Metal-Sektor.  Und wer’s verpasst hat oder das Geld nicht investieren wollte, kann sich vermutlich demnächst die entsprechende DVD zulegen, denn Nergal ist nicht nur ein Meister seines Fachs, sondern auch ein tüchtiger Geschäftsmann.

ANDREAS SCHULZ

Setlist:

Act I
Evoe
Wolves Ov Siberia
Prometherion
From The Pagan Vastlands

Act II
Blow Your Trumpets Gabriel
Antichristian Phenomenon
Conquer All
Lucifer

Act III
Ora Pro Nobis Lucifer
Satan’s Sword (I Have Become)
Ov Fire And The Void
Chwała Mordercom Wojciecha (997-1997 Dziesięć Wieków Hańby)
As Above So Below
Slaves Shall Serve
Chant for Eschaton 2000

Act IV
Sculpting The Throne Ov Seth
Bartzabel
Decade Of Therion
O Father O Satan O Sun!